RESSORTS.
Acht Felder, in denen wir kontinuierlich publizieren — von der Delft-Manufaktur bis zur Schleswiger Sammlung.
- I
Geschichte
Das Mutterressort. Bibelfliesen-Verbreitung im Zeitraum 1580 bis 1850, mit dem Schwerpunkt auf der niederländischen Manufaktur-Blüte 1640–1740. Calvinistisch-protestantische Bildkultur als historischer Rahmen (das Bilderverbot des reformierten Christentums galt nicht für ornamentale Darstellungen alttestamentlicher Szenen — eine Lücke, die die Bibelfliese füllte), Friesische Seefahrer-Routen und Walfänger-Schiffe als Transportwege an die Nordseeküste, Schleswig-Holsteinische und Niedersächsische Kapitäns-Häuser als Sekundär-Verbreitungs-Räume, der Niedergang der Manufakturen im 19. Jahrhundert mit der industriellen Konkurrenz aus Staffordshire.
→ - II
Manufaktur
Delft als das Zentrum der Manufaktur-Produktion (über 30 Manufakturen im 17. Jahrhundert, mit De Porceleyne Lampetkan, De Witte Sterre und De Klauw als den drei prägendsten Hochphasen-Werkstätten), Rotterdam mit ihrer eigenen stilistischen Linie, Harlingen und Makkum als die friesischen Manufakturen (Tichelaar in Makkum als die seit 1572 ununterbrochen produzierende älteste Manufaktur weltweit), Friedrichstadt (Holstein, gegründet 1621 durch niederländische Remonstranten — die einzige Manufaktur auf deutschem Boden in der ersten Welle).
→ - III
Bildkunde
Ikonographische Tiefenbohrung in den Bilderkanon. Alttestamentliche Szenen (Sündenfall, Arche Noah, Opferung Isaaks, Schlangen-Mose, Jona-und-der-Wal, David-und-Goliath, Daniel-in-der-Löwengrube als die typische Hochfrequenz-Szene), neutestamentliche Szenen (Verkündigung an Maria, Geburt Christi, Kreuzigung, Auferstehung), Apokryphen-Szenen (Susanna im Bade als die populärste apokryphe Szene), Bibelübersetzungs-Bezüge (die niederländische Statenvertaling 1637 als die Quell-Übersetzung für die meisten Bibelfliesen-Beschriftungen).
→ - IV
Material
Materielle Bibelfliese: 13 × 13 cm Standardmaß (variierend 12,5 bis 14 cm), 8 mm Wandstärke typisch, Kaolin-Ton-Kern, Zinnoxid-Glasur als die definierende Technologie (das tin glaze macht aus der grauen Tongrundlage die opak-weiße Fläche, die das Bild trägt), Kobalt-Blau (CoO) als die dominierende Bemalfarbe (das ikonische Delfter-Blau), Mangan-Violett (MnO₂) als die zweite Hauptpalette ab dem 18. Jahrhundert, Polychromie als seltenere und teurere Variante, Brenn-Verfahren (zweistufiger Brand bei 1.000 °C Biscuit und 950 °C Glasur-Schmelze).
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Sammeln
Sammlermarkt-Verlauf und -Praxis. Auktionsrekorde bei Christie's Amsterdam und Sotheby's London (Einzel-Bibelfliesen-Rekorde liegen im niedrigen vierstelligen EUR-Bereich, vollständige originale Bibelfliesen-Wandverkleidungen historischer Kapitäns-Häuser im sechsstelligen EUR-Bereich), Authentifizierung als die zentrale Sammler-Frage (Echtheit vs. 19. Jahrhundert-Repliken aus dem niederländischen Historismus vs. 20. Jahrhundert-Reproduktion aus den Makkum-Wiederbelegungs-Jahren), Zustands-Bewertung mit dem standardisierten Vier-Stufen-Schema (mint / fine / good / acceptable), Provenienz-Forschung über Kapitäns-Haus-Inventar-Listen.
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Restaurierung
Konservatorische Praxis und Standards. ICOM-Richtlinien für die Keramik-Konservierung als der internationale Rahmen, ECCO Professional Guidelines als der europäische Standard, Reinigung mit pH-neutralen Solvenzien (häufige Probleme: alte Kalk-Putze in Kamin-Installationen), Riss-Verschluss mit reversiblen Acrylsulfid-Gemischen, Glasur-Restaurierung mit dem Konflikt zwischen Wiederherstellungs-Ästhetik und Erkennbarkeits-Gebot der modernen Konservierungs-Ethik, das spezifische Problem der Säure-Einwirkung in Wand-Installationen bei modernen Reinigungs-Mitteln.
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Museum
Die wichtigsten Sammlungen im deutschen, niederländischen und englischen Raum. Volkskundemuseum Schleswig mit einer der größten Bibelfliesen-Sammlungen Deutschlands (über 3.000 Stück mit dokumentierter Provenienz aus nordfriesischen Kapitäns-Häusern), Rijksmuseum Amsterdam (die kanonische niederländische Sammlung), Princessehof Leeuwarden (das spezialisierte Keramik-Museum mit friesischer Manufaktur-Sammlung), Detlefsen-Museum Glückstadt, Bayerisches Nationalmuseum München, V&A London, Kunstgewerbemuseum Berlin. Laufende Ausstellungs- und Forschungs-Berichterstattung.
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Volkskunde
Die volkskundliche Einbettung der Bibelfliese. Häusliche Anbringung an Herd-Rückwand (der typische Verbau in nordniederländischen und norddeutschen Bauern- und Kapitäns-Häusern), Kaminumrandungen mit komponierten Bibelszenen, die „Bibelfliesen-Stube" als das Statussymbol in der Friesischen Kapitäns-Haus-Architektur, calvinistische Bildtoleranz vs. lutherische Praxis (die unterschiedliche Aufnahme der Bibelfliese in den zwei reformatorischen Konfessions-Räumen), Volkskunst-Forschungs-Stand seit den frühen Schleswig-Holsteinischen Heimatkunde-Schriften des späten 19. Jahrhunderts.
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