Tegel — was die Manufakturen tatsächlich brannten.
Tegel ist ein deutschsprachiger Almanach für historische Bibelfliesen, Delftware und Nordsee-Volkskunst. Wir schreiben für Antiquitäten- und Kunsthandwerks-Sammler:innen mit Keramik-Schwerpunkt, für Museums-Kurator:innen der angewandten Kunst und Volkskunde, für Kunsthistoriker:innen mit Schwerpunkt Niederländische Kunst des Goldenen Zeitalters, für Heimatkundler:innen aus Schleswig-Holstein und Niedersachsen, für Restaurator:innen für Keramik und Wandfliesen, für Religionswissenschaftler:innen mit Interesse an protestantischer Bildkunst, für Friesische Kulturvereinsmitglieder. Acht Ressorts, eine konsequente Haltung: die Bibelfliese ist angewandte Kunstgeschichte mit eigener materialer Tradition — keine Heimatkunde-Folklore und kein Antiquitäten-Investment-Versprechen.
Acht Ressorts — Geschichte, Manufaktur, Bildkunde, Material, Sammeln, Restaurierung, Museum, Volkskunde — bilden das Gerüst, in dem wir kontinuierlich publizieren. Nicht jede Ausgabe füllt alle acht Felder. Manchmal verdichten sich drei Texte um eine einzelne Manufaktur-Quelle, manchmal hängt ein ganzer Band an einer Schleswiger Ausstellung. Die aktuelle Mai-2026-Ausgabe markiert den Eröffnungsband, mit Schwerpunkt auf der Friedrichstadter Forschungs-Lage und einer Tichelaar- Manufaktur-Bilanz nach 454 Jahren ununterbrochener Produktion als programmatischem Auftakt.
Was uns inhaltlich interessiert, ist die Spannung zwischen Bildkanon und materialer Realität. Die Bibelfliese ist ein eng definiertes Objekt — 13 mal 13 Zentimeter, Zinnoxid-Glasur auf Kaolin-Ton, Kobalt-Blau oder Mangan-Violett, gebrannt bei rund tausend Grad in einem zweistufigen Verfahren — und gleichzeitig ein Bildträger einer ganz eigenen ikonographischen Tradition: alttestamentliche Szenen mit dem Schwerpunkt auf Mose, Jona, David und Daniel; neutestamentliche Szenen mit Verkündigung, Geburt, Kreuzigung, Auferstehung; apokryphe Szenen mit Susanna im Bade als der unerwartet populärsten Einzelszene. Die niederländische Statenvertaling 1637 ist die Quell-Übersetzung für die meisten Bibelfliesen-Bildunterschriften. Wir behandeln Bibelfliesen als das, was sie sind: angewandte Volkskunst mit präziser Material- und Bildkanon-Definition. Wir würdigen das Handwerk und prüfen die Provenienzen gleichzeitig.
Geschrieben ist Tegel für Antiquitäten-Sammler:innen, die ihren Bestand einordnen wollen; für Museums-Kurator:innen, die zwischen Konservierungs-Etat und Vermittlungs-Auftrag pendeln; für Kunsthistoriker:innen, die zwischen Goldenem Zeitalter und 19.-Jahrhundert-Volkskunde-Tradition arbeiten; für Restaurator:innen, die zwischen ICOM-Richtlinie und konkreter Riss-Schließungs-Praxis navigieren; für Heimatkundler:innen, deren Bibelfliesen-Erbe in friesischen und holsteinischen Bauern- und Kapitäns-Häusern überlebt hat; und für Religionswissenschaftler:innen, die die protestantische Bildkultur als kulturhistorisches Phänomen verstehen wollen.
Gastbeiträge
Tegel nimmt Gastbeiträge an. Wer einen Text aus der Bibelfliesen-Disziplin geschrieben hat — Manufaktur-Tiefenbohrung, Ikonographie-Anmerkung, Sammlung-Porträt, Restaurierungs-Bericht, Auktions-Beobachtung, Provenienz-Recherche — und ihn bei uns sehen möchte, schickt eine Schreibprobe an [email protected]. Wir antworten in der Regel innerhalb einer Woche. Kürze ist kein Nachteil, eine konkrete Manufaktur- Inventur-Nummer mit Provenienz-Hinweis sagt mehr als drei Absätze Prosa, und wer mit Brennvorgang- Temperatur statt mit „handgefertigt" arbeitet, hat schon gewonnen.
Eine gute Bibelfliesen-Reflexion ist die, bei der am Ende klar ist, welche Manufaktur die Fliese gebrannt hat, welche biblische Szene sie zeigt, in welchem Haus sie verbaut war und warum sie heute dort steht, wo sie steht. Wir nehmen die Provenienz ernst.